Wie der Nikolaus ins Oberland kam

Ganz ehrlich: Man weiss es nicht so genau. Aber es war um das Jahr 980 n. Chr. herum, dass in dem kleinen Ort Brauweiler, westlich von Köln, die erste Nikolaus-Kirche auf dem Boden des damaligen von den Deutschen geprägten Kaiserreiches entstand. Nikolaus von Myra, das ist der, an den man sich am 6. Dezember in so vielen Ländern erinnert, hatte vermutlich an dem ersten grossen Konzil der christlichen Kirche, 325 n. Chr. in Nicäa (heute Iznik in der Türkei) teilgenommen, war aber vor allem als Wohltäter der Armen und Verfolgten bekannt.

Der römische Kaiser aber, von dem wir gerade geredet haben, der damals um 980 herum gleichzeitig deutscher König war, das war ein gewisser Otto II. Und die Mutter des Kaisers, selbst römische Kaiserin aus eigenem Recht, war die burgundische Prinzessin und italienische Königin Adelheid. Diejenige Adelheid, die dann im Jahre 994 die damaligen burgundischen Königsgüter Wimmis und Matten (St. Stephan) einem Kloster im Elsass schenkte. Und es war Adelheids Bruder Konrad, der König über Hochburgund war. Und zu Hochburgund gehörte das ganze Land von der Rhone bis zur Aare, und das heisst bis an den Thuner See.

Adelheid aber war die Tochter derjenigen Königin Bertha, die noch vor ihrem Tod im Jahre 961 die zwölf „Thunersee-Kirchen“ hatte umbauen und zum Teil neu errichten lassen. Noch heute wird sie im Waadtland als Landespatronin verehrt. Und somit „haben wir“ schliesslich doch einen gewissen Oberland-Bezug.

Was aber hat das mit dem Nikolaus zu tun? Nun, die Frau des Kaisers Otto II., die Schwiegertochter der Adelheid von Burgund, Theophanu mit Namen, die war Griechin, und man führt die Einführung des Nikolaus-Kultus direkt auf sie zurück: Denn überall arbeitete sie bis zu ihrem Tod an einer tiefen Verbindung zwischen ihrem Heimatland, dem oströmischen Kaiserreich Byzanz, und dem weströmischen Kaiserreich ihrer Schwiegermutter Adelheid. Und Nikolaus, das war ein „Vorzeige-Heiliger“.

Und seit den Tagen der Theophanu verbreitete sich der Nikolaus-Kult in ganz Westeuropa, bis er sich schliesslich noch lange vor der Reformation auch im Oberland etablierte. Und aus dem Nikolaus wurde ein Sancta Claus, und daraus der Sami-Chlaus… samt seinem „Beiwerk“, einem grimmigen Gesellen, der die Belohnung verteilt und in manchen Regionen auch die Strafen verhängt.

Und auch die Kalendertage spielen in der ganzen Geschichte eine Rolle: Denn dieser Nikolaus, der war an einem 6. Dezember gestorben, in welchem Jahr, das weiss man nicht so genau. Kaiserin Theophanus Mann aber, eben jener Kaiser Otto II., der war aber exakt am 7. Dezember 983 gestorben, in Rom.

Und wenn man ein wenig mutmasst, ein wenig die Phantasie „spazieren gehen lässt“, wie man sagt, dann kann man sich vorstellen, dass Theophanu den Todestag ihres Mannes mit dem Tod des Nikolaus in direkte Verbindung brachte. Nur acht Jahre später (991) starb schliesslich auch Theophanu und wurde an ihrem Witwensitz im südlichen Köln begraben. Nicht besonders weit von der bereits seit dem Jahr 980 existierenden Kölner Nikolaus-Kirche.

Nikolaus wurde nie „Reichsheiliger“, wie der aus dem heutigen Wallis kommende Mauritius, er wurde im Oberland nicht so häufig „herbeizitiert“ wie der im Simmental so oft abgebildete Christophorus, und auch nicht so häufig Kirchenpatron wie der irgendwie „naheliegendere“ Martin von Tours (etwa in Wimmis).

Aber die durch den Kamin geworfenen Geschenke, der etwas widerspenstige, eigenwillige Charakter des Nikolaus als einem Wohltäter der Armen, das alles hat sich aus den frühen Legenden um den alt-griechischen Gottesmann vermutlich auch durch die griechisch-römische Kaiserin und die burgundische Kaiserin Adelheid im Oberland erhalten.

Und das nun schon seit über 1000 Jahren.

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